„Irgendwas war anders …“

Irgend etwas war anders als gewohnt. Es roch wie gewohnt. Es war laut wie immer.
Aber irgendetwas fehlte, auch wenn er nicht gleich hätte sagen können, was.

Menschen kamen, schauten interessiert. Einige Mutige fragten,
andere ließen sich – einmal angesprochen – auf ein Gespräch ein.

#digitalkannsozial behauptete, forsch, die LED-Leuchtwand am Messestand.
Und die Besucherinnen und Besucher ließen sich diese Behauptung einfach gefallen.

Neugierde, so schien es, neugieriges „da will ich aber jetzt wissen, wie das geht“,
gewann die Oberhand über die Skepsis.
Aber irgendetwas stimmte da doch einfach nicht.

Wann würde es vorbei sein, mit diesem ganz normalen Frage-Antwort-Spiel?
Wann würden sie kommen, die Abwehr-Attacken, rätselte er.
Die unwiderlegbaren Killer-Argumente.
Die „ja bei Ihnen vielleicht – aber doch nicht bei uns“-Fertigteil-Phrasen,
die das Ende jeder offenen Diskussion bedeuteten.

Und jetzt wusste er es: Das war es, was fehlte!

Dabei war die Messe beinahe schon wieder zu Ende.
Richtig viele Menschen waren schon an den Stand gekommen,
und immer noch kein „unsere Klientinnen sind da viel zu stark behindert;
da hat niemand ein Smartphone;
und überhaupt: die vielen Gefahren im World Wide Web …!“

Einigermaßen verwundert rieb er sich die Augen, zwickte sich in die Wange.
Nein, er schlief nicht, er träumte nicht.
Hellwach achtete er in den restlichen Gesprächen darauf,
aber es blieb dabei bis zum Schluss: Interessiertes Nachfragen,
aber kein „das glaub ich einfach nicht.“

Neugieriges „wie kann ich das nutzen“ an Stelle von oberlehrerhaftem
„erzählensiemirnichtsichweisswiedieweltsichdreht!“

Konnte das wahr sein? War plötzlich alles anders?
Ist sie tatsächlich auch in unserem Bereich angekommen

– die Digitalisierung?

Aus: Zeugenbeobachtung Werkstättenmesse Nürnberg, 2019

 

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