Corona. Darwin reloaded.

Oder wie Robert Holzmann doch leider recht hat.

Die Aufregung war groß aber kurz, als Nationalbankpräsident Holzmann Mitte März im Standard-Interview quer durch die Geschichte der Wirtschaftsphilosophie trampelte. Schumpeters ‚Schöpferische Zerstörung‘ wurde da flugs zum Reinigungs-Drahtwaschl einer neoliberalen Wirtschaftsordnung downgegraded und natürlich durfte - man zeigt sich ja gern historisch halbgebildet - auch die Assoziation mit Darwins ‚Survival of the fittest‘ nicht fehlen. Blöd nur, dass Darwin „fit“ gar nicht in der Bedeutung des früheren österreichischen Nationalfeiertags-Mottos „Fit mach mit“ – also kräftig oder sportlich gesund - gemeint hatte. Aber derlei Detail focht den Nationalbank-Heroen wohl noch nie an. Wenig später war die Erregung darüber auch schon wieder abgeflaut. Holzmann halt. Schwamm drüber!

Die Grundmelodie zur präsidialen Holzhacker-Volksmusik aber wurde von anderen Akteuren mit höherer sozialer Intelligenz durchaus weiterhin gerne gesummt. Sanfter allerdings, weniger brachial. Gutes Geld (nur) für gute Firmen! Finanziell fitte Unternehmen könnten ja die kleinen, die mit kürzerem Atem, auch aufkaufen. Und überhaupt sei eine Pleite ja immer schon eine der möglichen Stationen einer Firmen-Vita gewesen – für das „nicht über-lebenswerte“ Firmenleben eben.

Ein paar Wochen Notfall-Plan-erfahrener allerdings meldet sich zarter Verdacht an: vielleicht war Holzmann ja durchaus klar, dass Darwins „fit“ etwas mit Anpassungsfähigkeit zu tun hatte. Nur leicht variiert. Jene – Arten oder Firmen - überleben, die sich an neue Bedingungen am besten anpassen können.
Von da ist es nicht weit zur kleinen musikalischen Variation: „… oder jene, die die Überlebens-, in unserem Fall also Förder-Bedingungen, am besten an ihre eigene Lebensform anpassen – fitten - können. Da hilft es etwa, groß, also neudeutsch systemrelevant, zu sein; und sei es als Tochter eines deutschen Luftfahrtkonzerns. Da hilft es, wenn politisch gut vernetzte Großinvestoren ihr Geld in bestimmten Spezies von Unternehmen stecken haben. Und da hilft es, wenn es um die ganz wichtigen Überlebensfragen unserer Gesellschaft geht – etwa, ob geflügelte Rennautos bald schon in Spielberg im Kreis fahren dürfen.

„Der Papa wird’s scho richten“, röhrte Helmut Qualtinger als Kenner der heimischen Evolutionslehre: Wer kan Papa hat, den frisst halt die Geschichte.

PS:
Für alle, die es gerne weniger polemisch mögen, ein paar Lesetipps:
Beiträge von klügeren Köpfen zum Überlebenskampf jener Unternehmen, die in Sonntagsreden so gern als „gaaanz wichtig“ und zukunftsweisend lobgepriesen werden, im Augenblick aber politisch papa-los Darwin reloaded kennenlernen.

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