Sinnova Gruppe steigt bei atempo ein

Grazer Sozial-Unternehmen schafft spezielles Secondary

Die Finanzierung von Sozialunternehmen gilt gemeinhin als Sache staatlicher Stellen, als Fall für den Spendenmarkt oder, wenn überhaupt für Investments, dann für rein philanthropische. Dass Investoren auch bei der Finanzierung von Unternehmen mit gesellschaftlicher Mission mit Rendite aussteigen können, zeigt dieser Tage die zur atempo Gruppe gehörige CFS-GmbH. Sie liefert damit einen weiteren Baustein zum gegenwärtigen Trend in Richtung nachhaltiger Investments.

Am Ende steht eine doppelte Rendite: Ein respektabler Ertrag auf das eingesetzte Kapital plus die gesellschaftliche Wirkung, die mit dem Investment ermöglicht wurde. Im gegenständlichen Fall mehr und selbständige Teilhabe für alle Menschen mit geringer Sprachkompetenz im gesellschaftlichen und beruflichen Leben durch leicht verständliche Information für alle.
Dabei konnte man am Anfang, 2013, den Einstieg des Münchner Social-Investment-Fonds BonVenture in die Grazer atempo durchaus als mutig bezeichnen, befand sich doch das Sozial-Unternehmen durch die Kürzung öffentlicher Sozialbudgets in einer veritablen Krise. Anders als viele andere in diesem Bereich reagierte das Geschäftsführungs-Duo Walburga Fröhlich und Klaus Candussi auf die Krise nicht mit Einsparungen, sondern mit einem massiven Ausbau des marktfinanzierten Unternehmensteils.

Nach sieben Jahren, in denen atempo nicht nur sein Social Franchise Netzwerk in der D-A-CH-Region von fünf auf knapp dreißig aus- und das Social Business zu einem innovativen digitalen Unternehmen umbaute, übernimmt nun die auf sinnstiftende und innovative Beteiligungen ausgerichtete Sinnova Gruppe, zu der neben der nachhaltigkeitszertifizierten fair-finance Vorsorgekasse und einer auf nachhaltige Immobilien spezialisierten Bauträgergesellschaft auch verschiedene Joint Ventures, u.a. im Bereich Alternativenergie, gehören, Anteile der BonVenture, sowie von privaten Social Venture Investoren und bringt zusätzlich frisches Kapital in die Firma ein. Geld, mit dem atempo insbesondere seine Technologie-Führerschaft bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz zur Erzielung gesellschaftlicher Wirkung weiter ausbauen möchte. Unverständliche Informationen sollen dann weitgehend automatisiert auf ein verständliches Sprachniveau übersetzt und damit für alle Menschen zugänglich gemacht werden.

Schönes Detail des bemerkenswerten Deals: Weil die Basis für den finanziell erfolgreichen Abschluss ihres Investments vor allem auch auf der tollen Arbeit der atempo Belegschaft basiere, stellen BonVenture und die scheidenden Gesellschafterinnen einen Teil ihrer Anteile für ein vergünstigtes Mitarbeiterinnen-Beteiligungsmodell zur Verfügung. Ein Sechstel der rund 90 atempo Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erwirbt so Mitbesitz am eigenen Arbeitgeber.

Impactstarke Investments - sinnstiftend und innovativ.

Nach zehn Jahren, in denen fair-finance sich erfolgreich als ein von Finanzkonzernen unabhängiger Finanzdienstleister im Markt mit dem Thema Nachhaltigkeit positionieren konnte, erfolgte 2020 der Marken Relaunch und die Umbenennung der Dachmarke in SINNOVA. Abgeleitet aus den Begriffen SINNstiftend und INNOvativ.

Deren Gründer und Vorstandsvorsitzender Markus Zeilinger wurde dieser Tage als EY Social Entrepreneur ausgezeichnet, wobei für die Jury bezeichnenderweise gerade die sinnstiftende und nachhaltige Verwendung der eingesetzten Geldmittel und der sich daraus ergebende gesellschaftliche Impact im Vordergrund standen. Geld als Gestaltungsmittel für eine bessere Zukunft.
Das entspricht auch dem Selbstverständnis, als Social Enterprise wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlichem Mehrwert zu verbinden.
Daher ist es nur konsequent, wenn neben den erwähnten Beteiligungen der Sinnova Gruppe ein eigener – mit dem Senat der Wirtschaft konzipierter – Social Entrepreneurship Venture Capital Funds, übrigens der erste seiner Art in Österreich, am Start steht.

Dabei sollen nach erfolgter aufsichtsrechtlicher Bewilligung Investments in Unternehmen getätigt werden, die mit sicht- und messbarem Impact einen echten Mehrwert für die Gesellschaft leisten. Die Einreichungen potentieller Beteiligungsunternehmen werden vom Senat der Wirtschaft aufbereitet und deren Social Impact durch einen eigenen Beirat bewertet. Nach erfolgtem Due Diligence Prozess erfolgt unter Mitwirkung des Impact Hub Vienna die finale Investmententscheidung durch den Asset Manager des Fonds.

Wir freuen uns, mit unserem Engagement in Social Businesses innovative Akzente in diesem Segment zu setzen und mit mehr wirtschaftlicher Unabhängigkeit von Social Entrepreneuren einen Beitrag zur Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen leisten zu können“, beschreibt Zeilinger die Beweggründe für die Beteiligung bei atempo.

Rendite trifft Impact

BonVenture ist die erste Beteiligungsgesellschaft im deutschsprachigen Raum, die sich auf die gesellschaftliche Wirkung von Unternehmen fokussiert: Seit 2003 bieten wir Investor*innen die Möglichkeit, über unsere Fonds Soziales Risikokapital (Social Venture-Capital) an Sozialunternehmen zu vergeben. Als Partner der Sozialunternehmer*innen stärken wir sie mit Kapital, Know-how und Kontakten und fördern so die Entwicklung und Verbreitung sozialer Innovationen.

Nur wenn die festgelegten gesellschaftlichen Wirkungsziele der Sozialunternehmen erreicht werden, wird das Team der BonVenture Management GmbH an den finanziellen Gewinnen der von ihr verwalteten Fonds beteiligt. Von diesen Gewinnen wird ein Teil an die gemeinnützige BonVenture gGmbH gespendet. So ist BonVenture selbst ein Sozialunternehmen.

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